Kinder ins Spiel bringen
Puppentheater für junges Publikum
Heft 1/2026
Expert*innenrunde: Spielen für junges Publikum
Festivals: Prag und Warschau
Figuren- und Puppentheaterkünstler*innen definieren sich ästhetisch vor allen Dingen über Inszenierungen für Erwachsene, einmal abgesehen von jenen Puppen- und Figurentheatern, die tatsächlich ausschließlich für Kinder spielen. Dem gegenüber steht allerdings die Tatsache, dass Puppen- und Figurentheater in Deutschland im Schnitt gut dreiviertel ihrer Inszenierungen für Kinder produzieren und spielen. Der genauere Blick zeigt: In einer offensiven Neu-Entdeckung des kindlichen Publikums und einem klaren Bekenntnis zu Kindern als kompetenten Zuschauer*innen liegt offenbar künstlerisches Entwicklungspotenzial für das Puppen- und Figurentheater. Daher scheint es an der Zeit, einen double-Thementeil dem Figuren-, Puppen- und Objekttheater für junges Publikum zu widmen.
Gerd Taube eröffnet den Thementeil mit einem Beitrag über das historische Erbe des Puppentheaters als Kindertheater und das heutige künstlerische Selbstverständnis der Puppenspieler*innen. Im Gespräch mit Gundula Hoffmann, Anna Maria Polke, Petra Szemacha und Tim Heilmann erfährt double von den Produktionsbedingungen für Puppentheater für junges Publikum in der ‚kleinsten Sparte‘ des städtischen Theater-Betriebs. Sibylle Peters reflektiert die Verwendung von Dingen, Objekten und Materialien in der künstlerischen szenischen Forschung mit Kindern am FUNDUS THEATER Hamburg. Mit den Theaterpädagoginnen Sophia Keil und Pia Lobodzinski teilen Julianna, Luena und Karlotta vom Kinder- und Jugendbeirat des tjg. Dresden ihre Sicht auf Puppentheater.
Ellinor Lidén gibt uns einen Einblick in ihre Forschungen zum Theatererlebnis von Kindern. Von ihrer ersten Begegnung mit Puppen am Figurentheater Chemnitz berichtet die Dramatikerin und Dramaturgin Annalena Küspert. Das Theater für sehr junges Publikum steht für Michael Lurse vom Helios Theater, für Dagmar Domros vom Theater o.N. und für Caitlin van der Maas vom Theaterfestival Kuckuck in München im Zentrum. Karoline Hoffmann, Sophie Bartels, Inga Schmidt und Stefan Spitzer (Artisanen), Subi Lee, Keumbyul Lim und Adeline Rüss erzählen, worauf es ankommt beim Spielen für junges Publikum. Laurette Burgholzer befasst sich mit der Frage, welche Besonderheiten Figurentheater zu einem wichtigen Kunstmittel der Pädagogik machen, um Kindern und Jugendlichen gesellschaftliche Aushandlungen zugänglich und begreifbar zu machen.
Im Heftteil berichtet Tobias Prüwer, wie Julika Mayers „Oh!“ am TdJW in Leipzig das Publikum unmittelbar in den kreativen Prozess einbindet. Von starker visueller Erzählkraft schreibt André Studt in seiner Besprechung der deutschen Erstaufführung von „Gretel“ der Compagnie Quattrox4 beim Nürnberger Festival panoptikum. Sofie Neu schildert ihre Eindrücke als internationale Besucherin des Festivals One Flew over the Puppeteer’s Nest in Prag. Juliane Solvång erzählt vom ersten Najnaj-Showcase am Teatr Baj in Warschau und beobachtet das Theater für die Allerkleinsten in Polen. Anke Meyer berichtet vom double-Diskurs zu Raum und Räumlichkeit beim Internationalen Festival mit Figuren WEITBLICK! in Braunschweig. Nobert Seidel teilt seine Eindrücke von der William Kentridge-Ausstellung in der Dresdner Puppentheatersammlung. Auf zwei Jahre Vernetzungsarbeit und Austausch im Bündnisprojekt KompleXX Figurentheater blickt Marion Touze zurück. Mascha Erbelding diskutiert die Publikation „Making Meaning in Puppetry“. Im Schweizer Fenster porträtiert Sebastian Ryser die langjährige künstlerische Leiterin des Figurentheater Winterthur und führt gemeinsam mit Jacqueline Surer ein Gespräch mit der Leitung des Theater Stadelhofen über ihren Transformationsprozess hin zu einem inklusiveren Theater.
Wir wünschen eine anregende Lektüre!
Meike Wagner und Gerd Taube
sowie die double-Redaktion
Thema
Kinder ins Spiel bringen
Puppentheater für junges Publikum
- Gerd Taube
Kindertheater! Oder nicht?
Historisches Erbe und aktuelles Selbstverständnis des Puppentheaters - Sibylle Peters
Kartonzeit, Wunderpfeile und Sandkörner
Objekte und Materialien im Forschungstheater - Darüber, was das Puppentheater kann
Besonderheiten des Puppentheaters für junges Publikum aus der Sicht von Julianna, Luena und Karlotta - Ellinor Lidén
Als ‚anderer Erwachsener’ jungem Publikum begegnen
Eckpfeiler einer Publikumsforschung, die den Theaterbesuch von allen Seiten betrachtet - Annalena Küspert
Der Mensch ist an die Schwerkraft gebunden – die Puppe kann fliegen
Bericht über einen Stückauftrag am Figurentheater Chemnitz - Michael Lurse / Dagmar Domrös / Caitlin van der Maas
Welt erfahren und Wunder erleben
Über die Potenziale von Dingen, Objekten und Material im Theater für sehr junges Publikum - Karoline Hoffmann / Sophie Bartels / Inga Schmidt, Stefan Spitzer (Die Artisanen) / Subi Lee Keumbyul Lim / Adeline Russ
Ins kalte Wasser oder gut vorbereitet in die Begegnung?
Spielen für junges Publikum - Laurette Burgholzer
Von der Repräsentation des Fremden bis zum Eigensinn der Mittel
Neun Argumente für eine Figurentheaterpädagogik
Inszenierung
- Tobias Prüwer
Mit Leichtigkeit
„Oh!“ am Theater der Jungen Welt - André Studt
Irgendwo findet sich sicher ein neues Zuhause
Eindrücke von „Gretel“ der Companie Quattrox4
Festival
- Juliane Solvång
Auf Augenhöhe, von Anfang an
Beobachtungen zum Theater für die Allerkleinsten in Polen - Sofie Neu
Tschechische Bilderlust beim Festival One Flew over the Puppeteer’s Nest
Eindrücke vom Visitors Programme
Diskurs
- Anke Meyer
Huch, das Zimmer bewegt sich!
Zum double-Diskurs „Spiel/Räume – Raum/Spiele(n)“
Ausstellung
- Norbert Seidel
Nur ein künstlerisches Universum pro Diorama bitte!
Warum das Werk von William Kentridge in der Dresdner Puppentheatersammlung raffiniert durchdrungen wird
Netzwerk
- Marion Touze
KompleXX Figurentheater: Ode an die Netzwerkarbeit
Rezension
- Mascha Erbelding
Was wir wirklich sehen
„Making Meaning in Puppetry” eröffnet Perspektiven
Nachruf
- Iris Meinhardt
Die Räume bleiben
Zum Tod von Thorsten Meinhardt (1975–2025)
Schweizer Fenster
- Sebastian Ryser
„Das Kind in mir konnte ich bewahren“
Ursula Bienz im Porträt - Theater der Dinge für alle
Über Zugänglichkeit am Theater Stadelhofen
English Summaries
Notizen/Festivalkalender
Impressum
Hier können Sie double #53 im TDZ-Online-Shop kaufen.
EDITORIAL
Puppeteers and figure theatre artists define themselves aesthetically primarily through productions for adult audiences, apart from those puppet and figure theatres that actually perform exclusively for children. At the same time, however, puppet and figure theatres
in Germany produce and perform an average of three-quarters of their productions for children. A closer look reveals that there is clearly artistic potential for development in puppet and figure theatre in an affirmative rediscovery of child audiences and a clear
commitment to children as competent spectators. It therefore seems timely to dedicate a double theme section to figure, puppet and object theatre for young audiences.

