double #53

Kinder ins Spiel bringen
Puppentheater für junges Publikum

Heft 1/2026

Expert*innenrunde: Spielen für junges Publikum
Festivals: Prag und Warschau


Figuren- und Puppentheaterkünstler*innen definieren sich ästhetisch vor allen Dingen über Inszenierungen für Erwachsene, einmal abgesehen von jenen Puppen- und Figurentheatern, die tatsächlich ausschließlich für Kinder spielen. Dem gegenüber steht allerdings die Tatsache, dass Puppen- und Figurentheater in Deutschland im Schnitt gut dreiviertel ihrer Inszenierungen für Kinder produzieren und spielen. Der genauere Blick zeigt: In einer offensiven Neu-Entdeckung des kindlichen Publikums und einem klaren Bekenntnis zu Kindern als kompetenten Zuschauer*innen liegt offenbar künstlerisches Entwicklungspotenzial für das Puppen- und Figurentheater. Daher scheint es an der Zeit, einen double-Thementeil dem Figuren-, Puppen- und Objekttheater für junges Publikum zu widmen.

Gerd Taube eröffnet den Thementeil mit einem Beitrag über das historische Erbe des Puppentheaters als Kindertheater und das heutige künstlerische Selbstverständnis der Puppenspieler*innen. Im Gespräch mit Gundula Hoffmann, Anna Maria Polke, Petra Szemacha und Tim Heilmann erfährt double von den Produktionsbedingungen für Puppentheater für junges Publikum in der ‚kleinsten Sparte‘ des städtischen Theater-Betriebs. Sibylle Peters reflektiert die Verwendung von Dingen, Objekten und Materialien in der künstlerischen szenischen Forschung mit Kindern am FUNDUS THEATER Hamburg. Mit den Theaterpädagoginnen Sophia Keil und Pia Lobodzinski teilen Julianna, Luena und Karlotta vom Kinder- und Jugendbeirat des tjg. Dresden ihre Sicht auf Puppentheater.

Ellinor Lidén gibt uns einen Einblick in ihre Forschungen zum Theatererlebnis von Kindern. Von ihrer ersten Begegnung mit Puppen am Figurentheater Chemnitz berichtet die Dramatikerin und Dramaturgin Annalena Küspert. Das Theater für sehr junges Publikum steht für Michael Lurse vom Helios Theater, für Dagmar Domros vom Theater o.N. und für Caitlin van der Maas vom Theaterfestival Kuckuck in München im Zentrum. Karoline Hoffmann, Sophie Bartels, Inga Schmidt und Stefan Spitzer (Artisanen), Subi Lee, Keumbyul Lim und Adeline Rüss erzählen, worauf es ankommt beim Spielen für junges Publikum. Laurette Burgholzer befasst sich mit der Frage, welche Besonderheiten Figurentheater zu einem wichtigen Kunstmittel der Pädagogik machen, um Kindern und Jugendlichen gesellschaftliche Aushandlungen zugänglich und begreifbar zu machen.

Im Heftteil berichtet Tobias Prüwer, wie Julika Mayers „Oh!“ am TdJW in Leipzig das Publikum unmittelbar in den kreativen Prozess einbindet. Von starker visueller Erzählkraft schreibt André Studt in seiner Besprechung der deutschen Erstaufführung von „Gretel“ der Compagnie Quattrox4 beim Nürnberger Festival panoptikum. Sofie Neu schildert ihre Eindrücke als internationale Besucherin des Festivals One Flew over the Puppeteer’s Nest in Prag. Juliane Solvång erzählt vom ersten Najnaj-Showcase am Teatr Baj in Warschau und beobachtet das Theater für die Allerkleinsten in Polen. Anke Meyer berichtet vom double-Diskurs zu Raum und Räumlichkeit beim Internationalen Festival mit Figuren WEITBLICK! in Braunschweig. Nobert Seidel teilt seine Eindrücke von der William Kentridge-Ausstellung in der Dresdner Puppentheatersammlung. Auf zwei Jahre Vernetzungsarbeit und Austausch im Bündnisprojekt KompleXX Figurentheater blickt Marion Touze zurück. Mascha Erbelding diskutiert die Publikation „Making Meaning in Puppetry“. Im Schweizer Fenster porträtiert Sebastian Ryser die langjährige künstlerische Leiterin des Figurentheater Winterthur und führt gemeinsam mit Jacqueline Surer ein Gespräch mit der Leitung des Theater Stadelhofen über ihren Transformationsprozess hin zu einem inklusiveren Theater.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!

Meike Wagner und Gerd Taube
sowie die double-Redaktion

Thema

Kinder ins Spiel bringen

Puppentheater für junges Publikum

  • Gerd Taube
    Kindertheater! Oder nicht?
    Historisches Erbe und aktuelles Selbstverständnis des Puppentheaters
  • Sibylle Peters
    Kartonzeit, Wunderpfeile und Sandkörner
    Objekte und Materialien im Forschungstheater
  • Darüber, was das Puppentheater kann
    Besonderheiten des Puppentheaters für junges Publikum aus der Sicht von Julianna, Luena und Karlotta
  • Ellinor Lidén
    Als ‚anderer Erwachsener’ jungem Publikum begegnen
    Eckpfeiler einer Publikumsforschung, die den Theaterbesuch von allen Seiten betrachtet
  • Annalena Küspert
    Der Mensch ist an die Schwerkraft gebunden – die Puppe kann fliegen
    Bericht über einen Stückauftrag am Figurentheater Chemnitz
  • Michael Lurse / Dagmar Domrös / Caitlin van der Maas
    Welt erfahren und Wunder erleben
    Über die Potenziale von Dingen, Objekten und Material im Theater für sehr junges Publikum
  • Karoline Hoffmann / Sophie Bartels / Inga Schmidt, Stefan Spitzer (Die Artisanen) / Subi Lee Keumbyul Lim / Adeline Russ
    Ins kalte Wasser oder gut vorbereitet in die Begegnung?
    Spielen für junges Publikum
  • Laurette Burgholzer
    Von der Repräsentation des Fremden bis zum Eigensinn der Mittel
    Neun Argumente für eine Figurentheaterpädagogik

Inszenierung

  • Tobias Prüwer
    Mit Leichtigkeit
    „Oh!“ am Theater der Jungen Welt
  • André Studt
    Irgendwo findet sich sicher ein neues Zuhause
    Eindrücke von „Gretel“ der Companie Quattrox4

Festival

  • Juliane Solvång
    Auf Augenhöhe, von Anfang an
    Beobachtungen zum Theater für die Allerkleinsten in Polen
  • Sofie Neu
    Tschechische Bilderlust beim Festival One Flew over the Puppeteer’s Nest
    Eindrücke vom Visitors Programme

Diskurs

  • Anke Meyer
    Huch, das Zimmer bewegt sich!
    Zum double-Diskurs „Spiel/Räume – Raum/Spiele(n)“

Ausstellung

  • Norbert Seidel
    Nur ein künstlerisches Universum pro Diorama bitte!
    Warum das Werk von William Kentridge in der Dresdner Puppentheatersammlung raffiniert durchdrungen wird

Netzwerk

  • Marion Touze
    KompleXX Figurentheater: Ode an die Netzwerkarbeit

Rezension

  • Mascha Erbelding
    Was wir wirklich sehen
    „Making Meaning in Puppetry” eröffnet Perspektiven

Nachruf

  • Iris Meinhardt
    Die Räume bleiben
    Zum Tod von Thorsten Meinhardt (1975–2025)

Schweizer Fenster

  • Sebastian Ryser
    „Das Kind in mir konnte ich bewahren“
    Ursula Bienz im Porträt
  • Theater der Dinge für alle
    Über Zugänglichkeit am Theater Stadelhofen

English Summaries   

Notizen/Festivalkalender

Impressum

Hier können Sie double #53 im TDZ-Online-Shop kaufen.

EDITORIAL

Puppeteers and figure theatre artists define themselves aesthetically primarily through productions for adult audiences, apart from those puppet and figure theatres that actually perform exclusively for children. At the same time, however, puppet and figure theatres
in Germany produce and perform an average of three-quarters of their productions for children. A closer look reveals that there is clearly artistic potential for development in puppet and figure theatre in an affirmative rediscovery of child audiences and a clear
commitment to children as competent spectators. It therefore seems timely to dedicate a double theme section to figure, puppet and object theatre for young audiences.