double #30

Editorial

Die Schnittstelle von Theater und Bildender Kunst – dort wird das Figurentheater verortet, und über die vielfältigen Beziehungen des Figurentheaters zur bildenden Kunst hat „double“ schon oft nachgedacht. Doch welche Rolle spielen akustische Elemente in der Inszenierung und im Animationsprozess? Denn jenseits der schnellen Verfügbarkeit des passenden „Soundtracks“ aus bereits reproduzierten Kompositionen steht das Figurentheater auch für eine ganz eigene Herangehensweise an Geräusche und Klänge. Für diese Ausgabe des „double“ soll es also weniger um die klassische Bühnenmusik gehen, das musikalische Figurentheater, sondern um den Sound als lebendigen Widerpart des Theatermachers, als eigenständige Ebene im theatralen Kunstwerk.Der Geräuschemacher Max Bauer spricht über seine Kunst, Objekte durch Klänge zu animieren. Die Theaterwissenschaftlerin Dr. Veronika Darian schreibt über den Körper-Eindruck des Hör-Bildes der Inszenierung „Jerk“ von Gisèle Vienne (die Stimme im Figurentheater und insbesondere die Stimme des Bauchredners wäre sicher ein interessantes Thema für eine der nächsten double- Ausgaben). Mit den frühen Experimenten der Komponisten Ulrike und Dr. Wolf-Dieter Trüstedt in der Münchner „Spieldose“ in den 1960er und 70er Jahren und der Inszenierung „Lichtung“ des O-Teams stehen sich zwei ganz unterschiedliche Einsätze des Synthesizers auf der Figurentheaterbühne gegenüber. Und Dagmar Domrös und Gabriele Hänel vom Berliner Theater o.N. haben für uns über den dramaturgischen Einsatz von Klängen und Tönen im Kindertheater nachgedacht.Das zehnjährige Jubiläum unserer Zeitschrift war Anlass für einen ersten „double-Diskurs“ – ein neues Format, in dem sich Redakteure, Akteure, Kritiker und Zuschauer über aktuelle Themen und Entwicklungen des zeitgenössischen Puppen- und Figurentheaters austauschen. Fortsetzung folgt. Zu lesen und zu hören sein wird sicherlich auch von den jungen Spielern und Formationen, die wir Ihnen in unserer Rubrik „Next Generation“ vorstellen. Unser Länder-Special führt uns dieses Mal nach Südafrika und beschreibt die vielfältige Figurentheaterszene dieses Landes im Spannungsfeld von zeitgenössischer Kunst und sozialer Intervention. Der reiche Festivalsommer schließlich findet Niederschlag in zahlreichen Berichten und Gesprächen, die die Spezifik des jeweiligen Festivalprogramms in den Mittelpunkt zu rücken suchen.

Und wieder einmal endet unser Heft mit einem Abschied. Die „double“-Redaktion trauert um die Puppenspielerin Annette Wurbs – eine vielseitig begabte Künstlerin und eine „Kulturbotschafterin im besten Sinne des Wortes“, wie Silvia Brendenal in ihrem Nachruf schreibt.