double #18

Editorial

double-18_coverSchule machen

Heft 3/2009

Festivals: Erlangen, Bochum, Magdeburg, Dordrecht (Niederlande)
Portrait: Frankfurft an der Oder

Training, Wunschprogramme, Technolabs und das reale Leben: Die Studienprogramme der Theater-Ausbildung sind sehr beharrlich. In der Regel bestehen die Curricula an den Hochschulen über Jahrzehnte, die Ausbildungsziele werden selten einer Revision unterworfen. Wenn nicht gerade eine Krise droht – etwa der Leiter oder die Leiterin des Studiengangs sich verabschiedet, wirtschaftsbedingte Kürzungen anstehen oder der Bologna-Prozess anrollt – tut es nicht Not, ein einmal etabliertes und erfolgreiches Trainingskonzept in seinen Grundfesten zu erschüttern. Aber spätestens dann kommt die Zeit, in der alles in Frage steht. Ist es noch das Richtige, was wir unseren Absolventen mitgeben, um in der bestehenden Theaterlandschaft sich kreativ entfalten, ökonomisch bestehen und erfolgreich arbeiten zu können?

Seit einiger Zeit kann man wahrnehmen, dass sich diese Theaterlandschaft verändert. Nicht nur der wachsende Medieneinfluss auf Theaterästhetik, auch die zunehmende Öffnung der großen Bühnen für performative Theaterformen, hat neue Konkurrenzsituationen und ästhetische Anforderungen, aber auch Möglichkeiten für das Puppenspiel zur Folge. Wie kann eine Figurentheater-Ausbildung darauf reagieren, um die Puppen-Studenten bestmöglich auf das ‚reale Leben’ jenseits der Hochschule vorzubereiten? Der anstehende Führungswechsel am Stuttgarter Studiengang und die Debatte um dessen Weiterbestehen waren für uns Anlass, uns mit der Frage der Theater-Ausbildung auseinander zu setzen.

Zum Auftakt des Thementeils fragen sich passionierte Theatergänger, was sie von Puppenspielerinnen und Figurentheatermachern erwarten: Welche Ideen von einer idealen Ausbildung entwickeln sie freischwebend? Henk Havens stellt den innovativen und intermedialen Ausbildungszweig an der Theaterakademie Maastricht vor, der aus dem Bedürfnis entwickelt wurde, Theaterstudenten neue Kompetenzen für unsere Medienwelt zu vermitteln. Wolf-Dieter Ernst beschäftigt sich mit dem grundlegenden pädagogischen Problem des Gegensatzes zwischen methodisch strukturiertem Training und der geförderten/geforderten künstlerischen Freiheit. Sigrun Kilger berichtet in ihrem Gespräch mit Katja Spiess von ihrer eigenen Ausbildung. Sie gehörte zu den ersten Absolventen des Stuttgarter Figurentheater-Studiengangs und benennt aufschlussreich wichtige Impulse für ihre künstlerische Laufbahn.

Im zweiten Teil dieser Ausgabe blicken wir auf die großen Festivals und zwei herausragende Inszenierungen des Sommers: Welche Tendenzen, künstlerische Entwicklungen und Verortungen finden sich in Erlangen, Magdeburg, Bochum und Dordrecht, womit beschäftigen sich die Theater in Gera, Halle und Berlin? Außerdem eröffnen wir eine Gesprächsreihe mit Regisseuren: Nino Sandow gibt im Interview Auskunft über seine Regieerfahrungen in Dessau und welche Wünsche, Welche Visionen noch offen sind.

Wir hoffen, dass der Thementeil zur Diskussion um Ausbildungskonzepte beiträgt, dass unsere Berichte aus der Praxis den Blick für die aktuellen Entfaltungen der Puppenspielkunst schärfen. Viel Vergnügen beim Lesen des Heftes wünschen

Meike Wagner und Tim Sandweg