double #34

Editorial

Amateur = Profi minus Geld?
Wikipedia nennt in seinem Eintrag „Amateur“ die wesentlichen Aktionsfelder der Nicht-Profis: Amateurfunk (ja, diese Autos mit den zwei Meter langen Antennen), Amateurmusik (jede Weihnachten im Familienkreis), Amateurpornographie (alles außer Sex für Geld?), Amateursport (Olympia lässt grüßen!) und – Amateurtheater. Das alles sind Tätigkeiten einer „Person, die – im Gegen-satz zum Profi – eine Tätigkeit aus Liebhaberei ausübt, ohne einen Beruf daraus zu machen bzw. Geld für ihre Leistung zu erhalten.“ Das gilt auch für uns, sind doch alle Redakteure von double ehrenamtlich und aus Liebe zur Sache zugange. Andererseits hat double professionellen Anspruch, Grafik, Produktion und Vertrieb liegen in professionellen Händen, und alle Blattmacher sind hauptberuflich im Theater-Feld tätig. Hier wird es schwierig, die Grenze zwischen amateurhaft und professionell genau zu ziehen.
Diese Grenzübergänge, aber auch die jeweiligen Positionierungen und Bestimmungen in der Grauzone diskutiert der The-menteil dieses Heftes. Meike Wagner führt ein mit einem historischen Rückblick auf den heute noch einflussreichen Diskurs um ‚Dilettanten‘ und ‚echte Künstler‘. Florian Feisel macht deutlich, wie wichtig es ist, als Künstler seine eigenen Amateurstrategien zu aktivieren. Mascha Erbelding berichtet vom populären Puppen-Heimtheater des 19. Jahrhunderts. Yvonne Schmidt gibt uns einen Überblick zur Amateur-Szene und dem Freilichttheater in der Schweiz. Tim Sandweg diskutiert als Juror des Fritz-Wortelmann-Preises Ästhetiken und Kategorien des Amateurfigurentheaters. Christina Röfer fasst für uns die Ergebnisse einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Amateurtheaterwettbewerbs Amarena zusammen. Angelika Albrecht-Schaffer, Katja Spiess und Christian Schönfelder positionieren sich aus ihren jeweiligen Tätigkeitsbereichen Amateurfigurenspiel, Theaterleitung und Dramaturgie. Den Thementeil rundet ein Gespräch von double mit den passionierten Amateur-Figurentheater-Machern Daniel Erbelding und Nicola von Otto ab.
Berichte vom regen europäischen Festivaltreiben der vergangenen sechs Monate, ein Blick auf die letzten Inszenierungen des Regisseurs Gyula Molnár, Streifzüge durch die aktuellen Produktionen der jungen Spielergeneration und ein Essay über das Faszinosum „Frankenstein“ erwarten Sie im zweiten Teil des Hefts. Ganz zum Schluss gewähren wir dann noch einen kleinen Einblick in das im November in der Lektionen-Reihe unseres Verlags erscheinende Buch „Theater der Dinge“.
Liebevolle Lektüre wünschen Meike Wagner und Katja Spiess